Samstag, 6. Februar 2010

Glück und Leid...

...sind nah beieinander in einer dualistischen Welt wie der unsrigen. Wo es ein Oben gibt, existiert auch ein Unten, wo Schönheit ist, gibt es auch Hässlichkeit, wo Tag ist, da folgt die Nacht, wo Geburt stattfindet, da wartet später der Tod.

Eine junge Chinesin bringt uns im untenstehenden Video die uralte Lehre von Yin und Yang näher, sie zeigt darin die Realität auf, dass das eine Prinzip nicht ohne das andere existieren kann, im Glück ist immer auch das Leid um die Ecke und ebenso umgekehrt. Sie rundet ihre Lektion mit einer Weisheitsgeschichte ab um das Vorgetragene zu veranschaulichen.


„Es war einmal ein Bauer, der besass ein Pferd. Eines Nachts vergass er die Türe im Stall zu schliessen und das Pferd entkam. Nun hatte er kein Pferd mehr.
Der Nachbar kam vorbei und sagte: Was für ein Unglück, du hast ein Pferd verloren.
Der Bauer schwieg.
Zwei Tage später kehrte das Pferd zurück und ihm folgte ein anderes Pferd, beide kamen nach Hause in den Stall des Bauern.
Der Bauer war erfreut, jetzt hatte er zwei Pferde, doch er äusserte sich nicht.
Später kam der Nachbar wieder vorbei und sagte, welches Glück nun hast du zwei Pferde.
Wieder blieb der Bauer ruhig.
Später gebar das Pferd ein Fohlen. Als dieses etwas grösser war, wollte der Sohn das kleine Pferd trainieren, fiel dabei aus dem Sattel und brach sich ein Bein.
Wieder kam der Nachbar vorbei und wehklagte, was für ein Unglück dir das neue Pferd gebracht hat.
Der Bauer gab keine Antwort.
Kurz darauf wurde im Land der Krieg ausgerufen. Die Generäle kamen in die Dörfer um für die Infanterie Männer zu finden. Alle jungen Söhne wurden einberufen. Nur der Sohn des Bauern durfte zu Hause bleiben, da er nicht gehen konnte mit dem gebrochenen Bein.
Später kam der Nachbar wieder vorbei und sagte zum Bauern: Was für ein Glück du hast, infolge der Verletzung musste dein Sohn nicht in den Krieg ziehen.
Fazit der Vortragenden: So ist es im Leben laut dem Gesetz von Yin und Yang, wenn die Dinge schlecht stehen, gib nicht auf, da Gutes gerade um die Ecke kommt.“



Die Geschichte will uns vergegenwärtigen bei schweren Zeiten im Leben nicht zu verzweifeln, denn auch der andere Pol in Form von guten Zeiten wartet in diesem Kreislauf auf uns. Und bei allem momentanen Glück nicht ausser Rand und Band zu geraten, sondern uns daran erinnern, das Leben wie einen Fluss zu betrachten.

Alles kommt und geht, alles verändert sich von Moment zu Moment, Glück und auch Leid sind wie Wellen, die auftauchen und wieder vergehen. Wir können uns diesem Lebensstrom hingeben und dabei ganz in unserer Mitte ruhen, im ewigen Sein, das weder Kommen noch Gehen kennt.


Die Zen-Meisterin Daehaeng sagt:
Geistige und materielle Welt,
nicht als zwei betrachten,
das ist der mittlere Weg.

(Bilder von Wikipedia public domain)

Mittwoch, 3. Februar 2010

Glück für uns und andere - Geben als Herzensübung - Dankbarkeit

„Grundsätzlich gilt, dass die Unfähigkeit zur Disziplinierung und Beherrschung des Geistes die Grundlage aller Schwierigkeiten und Probleme in der Welt ist.
Deshalb ganz gleich ob wir an Wiedergeburt glauben oder nicht:
Hegen wir in unserem Leben wohlwollende Gedanken gegenüber ALLEN Wesen – angefangen bei den Menschen bis hin zu den kleinsten Insekten -, so wird diese Welt unausweichlich zu einem Ort, wo wir ein glücklicheres Leben führen können.
Glück für uns und andere wird erreicht, indem wir uns hauptsächlich auf das Wohl der anderen konzentrieren.“
D*alai Lama Teachings

Inspirational Comments

Glück für uns und andere wird erreicht indem wir uns hauptsächlich auf das Wohl der anderen konzentrieren?
Wer hat nicht schon einmal voll motiviert etwas für andere getan, ihnen aus der Patsche geholfen, ihnen etwas geschenkt einfach weil es uns Freude bereitete. Allerdings sind wir dann manchmal doch enttäuscht, wenn rein gar nichts zurückkommt, nicht einmal ein Danke.

Eine Bekannte, die schon überall in der Welt wunderschöne Urlaubstage verbracht hat, beschwerte sich einmal bei mir, dass in einem buddhistischen Land (nicht Thailand), welches sie bereiste, weder Mönche noch Nonnen sich bedankten, nachdem man ihnen eine Gabe offeriert habe. Ich versuchte ihr zu erklären, dass das im Zusammenhang mit dem buddhistischen Verständnis von Verdiensten stehen könnte, doch dies war für sie schwer nachzuvollziehen.


Für unser kulturelles Verständnis erscheinen uns diese Mönche und Nonnen als unhöflich, aus deren Anschauung heraus, denke ich, wollten sie den Gebern das Verdienst nicht schmälern indem sie sich wortreich bedankten, denn dann hätten die Gebenden schon einen Teil davon wieder aufgebraucht.

Geben ist in diesem Sinn eine wichtige Übung für buddhistische Praktizierende um lernen loszulassen und auch um Verdienste anzusammeln. Verdienste helfen mit um auf dem Pfad zur vollständigen Erleuchtung voran zu schreiten oder wenigstens eine gute Wiedergeburt zu erlangen, wo sie dann ihren spirituellen Weg in günstiger Umgebung fortsetzen können. In diesem Sinn ist der Beschenkte, und wenn es ein Bettler ist, eigentlich der Gebende, denn er ermöglicht uns Verdienste anzusammeln.


Einmal war ich an einem buddhistischen Anlass hier im Westen, da fragte eine Teilnehmerin bei der anschliessenden Frage und Antwortsession: „Was sie tun solle, wenn sie immer nur gebe und gar nichts zurückbekomme“. Da spitzten bestimmt viele Betroffene ihre Ohren und warteten auf eine Hilfestellung für den Alltag, und wurden dann möglicherweise etwas vor den Kopf gestossen von der Antwort des gütigen Lehrers. Er meinte, wenn man mit dieser Motivation gebe um etwas zurückzubekommen, sei das nichts anderes als ein Handeln wie in einem Geschäft, aber nicht wirkliches Geben. Da schluckten wohl viele leer, ich auch!

Wichtig ist auch Geben mit Weisheit zu verbinden, nicht einfach so draufloszugeben ohne Bezug zur Realität. Eine grosse Rolle spielt ebenso die Motivation, die wir dabei haben. Wenn wir denken (vielleicht unbewusst), wir tun jetzt das und das, um eine Gegenleistung zu erhalten, um beliebt zu sein, um irgendein Manko bei uns aufzufüllen, dann ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Deswegen ist auch die Übung des Widmens so relevant, wir lassen dieses Verdienst, das wir durch diese gebende Handlung generiert haben, innerlich los und schenken es im Wunschgebet dem Wohlergehen aller Lebewesen (wir sind da natürlich mit dabei bei diesen Lebewesen -:)


Selbstverständlich heisst das nicht (dies ist meine Meinung), dass wir uns jetzt im Westen nicht mehr bedanken sollen, wenn uns jemand Gutes tut, hier gehört das zu unserer Kultur. Ich habe auch öfters festgestellt, dass buddhistische Mönche, die hier im Westen leben und lehren, gelernt haben sich zu bedanken, wahrscheinlich haben sie gemerkt wie wichtig uns das ist -:)

Dankbarkeit an und für sich ist sehr nützlich für jeden von uns, denn diese lässt uns schätzen und anerkennen was im Moment da ist, sie schützt uns vor der Angewohnheit unseren Geist ständig auf etwas Fehlendes zu richten und damit die Unzufriedenheit zu schüren. Diese Unzufriedenheit bringt dann unseren Geist wieder in Aufruhr. Wie heisst es doch im Dhammapada:

Schwer ist es, den Geist zu schulen, der sich hinbewegt, wo es ihm gefällt, und der macht, was er will. Aber ein geschulter Geist bringt Gesundheit und Glück.
Die Weisen können ihre subtilen, nicht leicht erfassbaren Gedanken lenken, wohin immer es ihnen beliebt: Ein geschulter Geist bringt Gesundheit und Glück.
Dhammapada Vers 35/36

Die Demut des Herzens verlangt nicht,
dass du dich demütigen, sondern dass du dich öffnen sollst.
Das ist der Schlüssel des Austausches.
Nur dann kannst du geben und empfangen.
Antoine de Saint-Exupéry, Die Stadt in der Wüste, Citadelle

(Bildquellen Wikipedia public domain)

Samstag, 30. Januar 2010

Den Strom des Seins überqueren - Die Nacht des Gebets

Ein berührendes Gedicht aus der grausamen und blutigen Zeit des Vietnamkrieges, welches T*hich N*hat Hanh 1964 verfasst hat. Die Vollmondnacht ist für viele Buddhisten eine Nacht der Meditation und des Gebets in Erinnerung an Buddha Shakyamunis Weilen auf der Erde und mit der Sehnsucht auf das Kommen des zukünftigen Buddha Maitreya.

"Buddha Maitreya ist die Verkörperung der liebenden Güte aller Buddhas. Seine Hände sind in der Geste des Dharma Lehrens und halten die Stiele zweier Lotusblumen, welche die allwissende Weisheit der drei Zeiten symbolisieren. Der Lotus zu seiner Rechten trägt ein Dharma-Rad, welches symbolisiert, dass er der fünfte Gründer-Buddha der Tausend Buddhas dieses Glücklichen Äons ist (Buddha Shakyamuni ist der vierte).Die Vase zu seiner Linken ist mit Lebensspendendem Nektar gefüllt. Seine Sitzhaltung bringt seine Bereitschaft zum Ausdruck, sich jederzeit in Antwort auf die Bedürfnisse dieser Welt zu erheben. Zu Zeiten von Buddha Shakyamuni manifestierte er sich als Bodhisattva-Schüler." (Quelle Tharpa Verlag)


Nacht des Gebets

In jenem Augenblick
wehte kein Wind,
und die Vögel schwiegen.
Sieben Mal bebte die Erde,
als Unsterblichkeit den Strom
von Leben und Tod durchquerte.
Die Hand, die das Rad hielt
in der Mudra des Friedens,
erblühte wie eine Blume in der Nacht.

In jenem Moment
öffnete sich die Blume der Unsterblichkeit
im Garten von Geburt und Tod –
erleuchtet waren Lächeln,
Wort und Gleichnisse.
Er ist gekommen,
um der Menschen Sprache zu lernen.

In jener Nacht schauten die Devas
vom Tushita-Himmel herab,
sahen die Erde, meine Heimat,
noch strahlender als ein Stern,
während die Milchstrassen sich verneigten
und beteten, bis der Osten
sich rötlich verfärbte;
und die Gärten von Lumbini
wurden zur weichen Wiege,
nahmen sanft
den neugeborenen Buddha auf.

Heute Abend, heute Abend
blicken die Menschen
auf der Erde, meiner Heimat,
zum Himmel empor.


Sie wenden ihre tränenblinden Augen zum Tushita-Himmel.
Schmerzensschreie überall,
als Maras Hand sie überwältigt in Hass und Gewalt.

Im Dunkel bangt die Erde, meine Heimat,
dem wundersamen Ereignis entgegen,
wenn die Ewigkeit ihre Schleier öffnet,
wenn Schatten verschwinden
und Maitreya Einzug hält in mein Land.
Der Klang des Seins
hallt dann von neuem wider
im Singen eines Kindes.

Heute Nacht legen Mond und Sterne Zeugnis ab.
Lasst meine Heimat, lasst die Erde beten
für **Vietnam –
seine Tode, seine Feuer,
seine Trauer und sein Blut -;
dass Vietnam sich erhebe aus seinem Leid
und zur weichen, neuen Wiege werde
für den zukünftigen Buddha.
Lasst die Erde, mein Land, beten,
dass erneut die Blumen blühen.

Heute Nacht sind wir voller Hoffnung,
dass unsere Pein Früchte trägt,
dass Geburt und Tod den Strom
des Seins überqueren
und sich der Quell der Liebe über zehntausend Herzen ergiesst,
dass der Mensch die Sprache des Unaussprechlichen erlernt.
Dann wird das Lallen eines Säuglings
den Weg uns weisen.
Quelle Gedicht

**für Haiti, für Tibet, für Burma und für so viele noch, ja für den ganzen Planeten Erde und das unendliche Universum
(Anmerkung Elfe)

Metta bedeutet liebevolle Zuneigung
Dies ist das Lied der liebevollen Zuneigung für ALLE Lebewesen

Mittwoch, 27. Januar 2010

Vergänglich - Unvergänglich?

A*yya K*hema findet sehr klare Worte über die Vergänglichkeit. Die Naturgesetze sind mit der Vergänglichkeit behaftet, das wissen wir eigentlich alle, doch leben wir danach?

A*yya K*hema fordert uns auf zu untersuchen ob wir irgendetwas finden können in uns oder ausserhalb von uns, was man als unvergänglich bezeichnen könnte, und dabei sollen wir nicht nur eine kurze Zeitspanne berühren. Wo kann ich die Vergänglichkeit bewusst sehen, so dass ich danach leben kann? Es muss so tief gehen, dass ich damit lebe, effektiv lebe.



Am Schluss des Videos über die Vergänglichkeit erzählt sie eine Geschichte, über Ajahn Chah, einem Meditationsmeister, der in Thailand sehr bekannt war. Er hatte auch viele westliche Schüler. Einmal besuchte ihn ein solcher und sah dabei, dass Ajahn Chah viele Dinge in seiner Hütte hatte, wie z.B. ein Stuhl, Teppiche, Kassettenrecorder etc. Der Schüler sprach ihn darauf an, wie das zusammengehe diese Sachen in seiner Hütte und Loslassen und Entsagung, wo er doch so viel darüber rede.

Ajahn Chah sass ausserhalb der Hütte an einem Tisch worauf ein Glas stand. Er antwortete dem Schüler: „Siehst du dieses Wasserglas, das auf dem Tisch steht? Dieses Glas dient mir, es hat Wasser drin, was ich trinken kann, es hat sogar Regenbogenfarben da, wenn die Sonne darauf scheint und es hat einen schönen Ton, wenn ich es mit dem Löffel berühre, aber in Wirklichkeit ist dieses Wasserglas für mich schon zerbrochen.“

A*yya K*hema weiss nicht ob der Schüler den Sinn der Antwort erfasst hat, ihre Erklärung ist:
Es (das Glas) MUSS zerbrechen! Daher IST es schon zerbrochen! Wir MÜSSEN sterben, daher IST es schon GESCHEHEN! Alles andere, was jetzt noch geschieht sind nur zusätzliche Tage, Wochen, Monate, Jahre. Wenn wir von dieser Warte aus das Leben betrachten, kann uns recht wenig passieren.

Doch hört selbst in ihren Worten:



Wer meint, na gut A*yya K*hema war eine Nonne und hatte vom „wirklichen“ Leben nicht so viel mitbekommen, der sollte einmal ihre Biografie „Ich schenke euch mein Leben“ lesen. Als 15-jährige musste sie alleine nach England emigrieren um sich dem Zugriff der Gestapo zu entziehen. Vorher genoss sie eine behütete Jugend als Tochter eines jüdischen Börsenmaklers in Berlin.

Mit dieser Flucht begann ein völlig neues Leben für sie. Mit Mann und Kind bereiste sie später unter abenteuerlichen Umständen die ganze Welt. Sie arbeitete im Bankgeschäft in Amerika, als Ponyzüchterin in Australien – und war immer auf der Suche nach der letzten Wahrheit, die ihrem Leben Halt, Sinn und Orientierung zu geben vermochte.



In Ceylon (im heutigen Sri Lanka), als 56-jährige, liess sie sich als buddhistische Nonne ordinieren – aus Inge K*ussel war die Ehrwürdige A*yya K*hema geworden. Später kehrte sie nach Deutschland zurück und gründete dort das erste Waldkloster Deutschlands, der Kreis hat sich geschlossen.
(Quelle Buchumschlag)

1997 starb A*yya K*hema 74-jährig, sie war Mutter von zwei Kindern und Grossmutter von mehreren Enkeln und geschätzte und verehrte Dharma- und Meditationslehrerin von unzähligen Schülerinnen und Schülern in Deutschland und weltweit. Ihre Bücher über den Buddha Dharma finden auch heute grossen Anklang, sie lehrte klar und einfühlend auch für westliche Ohren und Herzen.

Nicht in den Lüften, nicht in Meeresmitte,
nicht in den Bergesklüften sich versteckend,
nicht findet sich ein Ort auf dieser Erde,
wo weilend einen nicht der Tod bezwänge.
Buddha (Dhammapada, Vers 128)